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HEIMLICHER SCHUTZE

Seit Mai 1997 ist Michael von Graffenried Fotokolumnist der "Weltwoche". Gestern war im Fotomuseum Winterthur Buchpremiere.
Jeweils am Sonntag macht sich der Fotograf von Graffenried in Bahnhöfen seines Wohnorts Paris an Schweizer Touristen heran. Einen bittet er dann, für ihn ein Couvert zur "Weltwoche"-Redaktion in Zürich zu bringen. Darin steckt eine Fotografie, am Montagabend ist Redaktionsschluss.

Von Bildscannern und elektronischer Post hält der 41-jährige von Graffenried wenig. Er gehört auch keiner Fotoagentur an, macht manche seiner Fotobücher von A-Z selber und die meisten Objekte seiner "Weltwoche"-Serie fotografiert er mit einer Kamera, von der man glaubt, sie stamme vom Flohmarkt. Der Apparat der Marke Widelux hat ein drehbares Objektiv: Einem Fotokopierer gleich streicht es übers ganze Objekt.

Das Resultat sind Bilder, die dem Empfinden des menschlichen Auges mitunter näher kommen als herkömmliche Fotografien. Die Technik hat weitere Vorteile: Die Fotografierten merken oft gar nicht, wie ihnen geschieht. Das hat sich von Graffenried vor allem in Algerien zu Nutze gemacht, wo sich die Menschen kaum je freiwillig fotografieren lassen. Von Graffenried tut es trotzdem und hat Erfolg. Sein 1998 im Benteli Verlag erschienenes Buch "Algerien. Der unheimliche Krieg", gibt es schon auf Deutsch, Französisch und Englisch. Als "Spaziergänger mit Kamera" arbeitet von Graffenried für das "Zeit-Magazin", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" oder das "Magazin" des "Tages-Anzeigers".

Gemeinsam mit einem jungen Reporter namens Fredy Gsteiger war er einmal in Alexandria unterwegs. Daraus ist eine Freundschaft geworden, die unter "Weltwoche"-Chefredaktor Gsteiger seit Mai 1997 sichtbar wird. Von Graffenried dokumentiert den Weltenlauf in grosszügigen Panoramabildern. Als Prinzessin Diana starb, fotografierte von Graffenried Paparazzi, heute Donnerstag thematisiert er die hohe Zeit der Mode in Paris. Viele Bilder sind aktuell, andere stammen aus dem Archiv, beziehungsweise von einer seiner vielen Reisen. Jeweils am Montagabend ruft von Graffenried in Zürich an, ob sein Bild angekommen ist. Bisher hat der Versand via Touristen immer geklappt. (to) Michael von Graffenried zeigt seine Panoramabilder im Fotomuseum. Michael von Graffenried. Weltpanorama, Weltwoche-ABC-Verlag, 1999, 38.50 Franken. Die Bilder sind bis kommenden Sonntag im Foyer des Fotomuseums ausgestellt.