
HEIMLICHE BILDER EINES UNHEIMLICHEN KRIEGES
Seit 1991 reist der Berner Fotograf Michael von Graffenried regelmässig nach Algerien. Eine Ausstellung in seiner Wahlheimat Paris und ein Buch dokumentieren nun seine fotografischen Streifzüge.Von Roman Ras. |
Immer wieder vermummte Gestalten. Immer wieder Uniformen. Immer wieder Waffen. Michael von Graffenrieds Fotografien aus Algerien vermitteln ein düsteres Bild von diesem Land. Das verwundert weiter nicht, denn in Algerien herrscht seit 1992 Bürgerkrieg. Doch in von Graffenrieds Buch hat es auch Bilder, die zeigen, dass neben Gewalt und Terror ein ganz gewöhnliches Leben ebenfalls möglich ist: in einer Disco zum Beispiel oder am Badestrand. Doch das sind die Ausnahmen. Der grosse Rest ist Grauen.
Michael von Graffenried, der seit 1991 immer wieder nach Algerien reist, hat seine eindrücklichen Fotoreportagen im geheimen machen müssen - aus religiösen Gründen (Bildverbot), aber auch aus politischen. Er arbeitet dabei mit einer alten Panoramakamera, bei der er nicht durch den Sucher zu schauen braucht. Das geöffnete Objektiv dreht sich von links nach rechts, «als würde es das Bild aufwischen», wie von Graffenried in seinem Einführungstext schreibt. Diese versteckt geschossenen Bilder haben denn auch eine ganz besondere, dokumentarische Qualität. Nein, schön sind diese Algerien-Bilder nicht, die der Berner nach Paris gebracht hat.
Aber es sind Dokumente eines politischen Zustandes in einem Land, dessen Geschichte eng mit jener Frankreichs verknüpft ist. Das mag mit ein Grund sein, dass von Graffenried, der seit Jahren schon in Paris lebt und arbeitet, seine Arbeiten nun in einer vom französischen Staat finanzierten Ausstellung an einem äusserst promimentem Ort zeigen kann (Parc de la Villette, bis 31. Januar 1999). |
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