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DER TATER IST ZURUCK AM TATORT

Michael von Graffenried zeigt seine Fotos vom unheimlichen Krieg in Algerien - mitten in Algier. Von Roger Anderegg.
Manche Träume gehen in Erfüllung. Die des in Paris lebenden Schweizer Fotografen Michael von Graffenried sogar signifikant oft. Das ist kein Zufall - das agile Jungtalent hat längst gelernt, dem Glück ein bisschen nachzuhelfen. «Ich habe einen Traum», verriet von Graffenried, 43, Ende 1999 im deutschen Wochenblatt «Die Zeit». Er träume davon, erzählte er da, seine Fotos aus Algerien, die Bilder eines gnadenlosen, brutalen Bürgerkriegs, zurückzubringen ins zerrissene Algerien. Auf mehreren Reportagereisen hatte er sie, nach seinen eigenen Worten, den Abgebildeten «gestohlen», mit einer auf Brusthöhe montierten Panoramakamera unbemerkt aufgenommen. Schau an, der kühne Traum geht in Erfüllung. Schliesslich hat von Graffenried, der, so er nicht eh ein talentierter Fotograf wäre, sein Leben noch alleweil als tauglicher PR-Manager seiner selbst verdienen könnte, gezielt darauf hingearbeitet. Letztes Jahr zeigte er in St-Ursanne im Jura zwei viel beachtete Fotoausstellungen - samt geschickt inszeniertem Begleitspektakel auf allen Medienkanälen.

Rechtzeitig zur Präsentation seiner Fotos aus dem Kanton Jura liess er den vor 15 Jahren verschwundenen Unspunnenstein kurzfristig wieder auftauchen. Und zur Vernissage seiner Algerienbilder hatte er Fatiha Boudiaf eingeladen, die Witwe des 1992 ermordeten algerischen Präsidenten Mohamed Boudiaf. Jetzt hat ihm Madame Boudiaf einen weiteren Wunsch erfüllt: Unter dem Patronat der Fondation Mohamed Boudiaf sind Graffenrieds Algerien-Fotos ab heute in der Bibliothèque Nationale in Algier zu sehen (bis 1. März).

Das ist deshalb von besonderer Brisanz, weil sich in diesem noch immer fortdauernden schmutzigen Krieg die Fronten verwischen, die Täterschaft austauschbar wird. 180 Tote allein während des Ramadans - noch ist nichts zu spüren von der von Präsident Bouteflika verordneten nationalen Aussöhnung.

Graffenrieds Fotos, in vielen Ländern publiziert und in einem Buch veröffentlicht («Algerien, der unheimliche Krieg», Benteli-Verlag), sind Dokumente des Terrors, die den Betrachter mit der Unausweichlichkeit der Gewalt, mit der steten Präsenz von Repression und Misstrauen konfrontieren. In Algier selber, in diesem Klima der Angst und der Unsicherheit, müssen diese harten Schwarzweissbilder die Wirkung eines Schocks haben. «Eine ziemliche Provokation», freute sich der Fotograf vor seinem Abflug nach Algier. «Mit unvorhersehbaren Reaktionen muss gerechnet werden.» Immerhin darf sich der furchtlose Reporter Graffenried in Algier doppelt sicher fühlen: Nicht nur kann er da auf eine Schar gute Freunde zählen - der amtierende Schweizer Botschafter André von Graffenried ist zudem zufällig sein Cousin.